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Leasing oder Finanzierung? Eine ehrliche Gegenüberstellung

Leasing oder Finanzierung? Eine ehrliche Gegenüberstellung

Wir rechnen beide Varianten an einem echten Beispiel durch — inklusive der Kosten, die in Vergleichsrechnern gerne fehlen.

Marlene Kienbach
Marlene KienbachLeitung Finanzierung & Leasing

„Was ist günstiger, Leasing oder Finanzierung?“ ist die häufigste Frage, die mir gestellt wird. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an — aber nicht auf das, worauf die meisten tippen.

Das Beispiel

Wir rechnen mit einem Fahrzeug für 45.000 € brutto, 48 Monate Laufzeit, 5.000 € Anzahlung, 15.000 Kilometer Fahrleistung pro Jahr. Die Konditionen entsprechen dem, was unsere Bankpartner im Sommer 2026 für Fahrzeuge dieser Klasse anbieten.

Variante A: Finanzierung

  • Darlehenssumme: 40.000 €
  • Sollzins 4,29 % p. a., effektiv 4,57 %
  • Monatliche Rate: rund 908 €
  • Zinskosten über 48 Monate: rund 3.590 €
  • Gesamtaufwand inkl. Anzahlung: rund 48.590 €
  • Nach 48 Monaten gehört Ihnen das Fahrzeug. Realistischer Restwert: 21.000 – 24.000 €
  • Effektive Kosten: rund 25.000 € (Gesamtaufwand minus Restwert)

Variante B: Kilometerleasing

  • Kalkulierter Restwert nach 48 Monaten: rund 20.700 €
  • Monatliche Rate: rund 528 €
  • Gesamtaufwand inkl. Anzahlung: rund 30.344 €
  • Rückgabekosten (Erfahrungswert): 400 – 900 €
  • Nach 48 Monaten geben Sie das Fahrzeug zurück.
  • Effektive Kosten: rund 30.700 – 31.200 €

Das überrascht die meisten: Für Privatkunden ist die Finanzierung in diesem Beispiel unter dem Strich rund 4.000 bis 6.000 € günstiger — obwohl die Monatsrate fast doppelt so hoch ist. Sie zahlen beim Leasing einen Aufschlag dafür, dass jemand anderes das Restwertrisiko trägt und Sie sich um den Weiterverkauf nicht kümmern müssen. Ob dieser Aufschlag es wert ist, ist keine Rechenfrage, sondern eine Frage Ihrer Prioritäten. Nachrechnen können Sie beides jederzeit in unserem Leasing- und Finanzierungsrechner.

Was in Vergleichsrechnern meist fehlt

1. Die Rückgabekosten beim Leasing

Nach Ablauf begutachtet ein Sachverständiger das Fahrzeug. Was als „normale Gebrauchsspur“ gilt und was berechnet wird, ist im Vertrag geregelt — meist über die Richtlinien des VMF oder des BVfK. In der Praxis kommen bei einem vier Jahre alten Fahrzeug zwischen 400 und 900 € zusammen: eine Delle, ein Kratzer über mehrere Bauteile, abgefahrene Reifen, ein Riss in der Sitzwange. Wer das Fahrzeug vor der Rückgabe für 250 € aufbereiten lässt, spart hier regelmäßig das Doppelte.

2. Das Restwertrisiko

Bei der Finanzierung tragen Sie es. Der oben angesetzte Restwert von 21.000 bis 24.000 € ist eine Prognose, keine Zusage. Bricht der Markt für Ihr Modell ein — wie es zwischen 2021 und 2024 bei Diesel-SUVs geschehen ist — verlieren Sie diese Differenz. Beim Kilometerleasing trägt der Leasinggeber dieses Risiko. Das ist der eigentliche Wert, den Sie beim Leasing mitbezahlen.

3. Die Kilometerbegrenzung

Mehrkilometer kosten je nach Vertrag zwischen 8 und 25 Cent. Wer 5.000 Kilometer über dem Limit liegt, zahlt 400 bis 1.250 € nach. Minderkilometer werden meist nur bis zu einer Obergrenze erstattet, häufig 2.500 km. Wer seine Fahrleistung nicht einschätzen kann, sollte eher zu niedrig ansetzen und die Mehrkilometer nachzahlen — die Nachzahlung ist meist günstiger als die höhere Rate über 48 Monate.

4. Die Versicherungspflicht

Leasinggeber verlangen fast immer Vollkasko mit maximal 1.000 € Selbstbeteiligung und oft zusätzlich eine GAP-Deckung. Bei einem Fahrzeug, das Sie sonst nur teilkasko versichern würden, macht das schnell 400 bis 700 € Mehrkosten pro Jahr aus — eine Position, die in keinem Leasingvergleich auftaucht.

Für Gewerbetreibende gilt eine andere Rechnung

Leasingraten sind vollständig als Betriebsausgabe absetzbar, ein finanziertes Fahrzeug wird über sechs Jahre abgeschrieben. Bei einer Laufzeit von 48 Monaten bedeutet das: Beim Leasing haben Sie den vollen Aufwand steuerlich geltend gemacht, bei der Finanzierung erst zwei Drittel. Hinzu kommt die Vorsteuer, die bei Leasingraten monatlich anfällt statt einmalig beim Kauf. Für die meisten Gewerbetreibenden ist Leasing deshalb die günstigere Variante — allerdings sollte das der Steuerberater im Einzelfall rechnen.

Unsere Faustregeln

  1. Haltedauer unter vier Jahren: Leasing. Sie zahlen ohnehin nur den Wertverlust und sparen sich das Verkaufsrisiko.
  2. Haltedauer über sechs Jahren: Finanzierung. Nach der letzten Rate fahren Sie zwei bis vier Jahre ohne monatliche Belastung.
  3. Fahrleistung über 25.000 km/Jahr: Finanzierung. Leasingverträge werden bei hoher Fahrleistung überproportional teuer.
  4. Gewerbliche Nutzung: Leasing, in den meisten Fällen — aber mit dem Steuerberater klären.
  5. Sie wollen das Auto verändern (Folierung, Zubehör, Tuning): Finanzierung. Beim Leasing müssen Sie den Ursprungszustand wiederherstellen.

Und die dritte Variante?

Die Ballonfinanzierung — niedrige Raten, große Schlussrate — wirkt wie ein Kompromiss, ist aber meist die teuerste Variante: Sie verzinsen die Restsumme über die gesamte Laufzeit mit. Sinnvoll ist sie nur, wenn Sie sicher wissen, dass Sie die Schlussrate am Ende aus vorhandenen Mitteln zahlen — dann ist sie eine Art zinsgünstiger Liquiditätspuffer. Als Dauerlösung raten wir davon ab.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Teil einer Demo-Website. Die genannten Zahlen und Beispiele dienen der Veranschaulichung und ersetzen keine individuelle Beratung.

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